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Projekt zum 80. Jahrestag der Novemberpogrome

Zum 80. Jahrestag der Novemberpogrome haben wir, die Gy10, zusammen mit der Gy8 ein Projekt auf die Beine gestellt, um an die Gräueltaten dieser Nächte zu gedenken.

 

Am Anfang stand die Frage, wie wir unseren Mitschülern dieses sensible Thema näher bringen und gleichzeitig ihr Interesse wecken könnten. Nach langem Hin und Her kamen wir zu dem Entschluss, dass eine Zeitreise, veranschaulicht durch räumliche Installationen und Informationsstände, durch die drei Phasen der Judenverfolgung am sinnvollsten wäre.

Zu Beginn der Zeitreise war es uns wichtig, dass wir an der ersten Station im Leseraum, den Schülerinnen und Schülern vorerst einen kurzen Einblick in die Thematik geben und sie über die folgenden drei Phasen der Judenverfolgung aufklären:

 

1. Phase: soziale Ausgrenzung

2. Phase: wirtschaftliche Ruinierung

3. Phase: systematische Vernichtung

 

Danach ging die Zeitreise los. Unser erstes Ziel war der 10. Mai 1933. An diesem Tag wurden auf dem ehemaligen Berliner Opernplatz unter anderem die Werke zahlreicher jüdischer Autoren öffentlich verbrannt. Um dies zu veranschaulichen lagen in einer Ecke der Pausenhalle angekohlte Bücher, an den Fenstern waren Flammen aufgemalt und der Geruch von verbranntem Papier lag noch in der Luft. Dies war Teil der ersten Phase, der Judenverfolgung und das erste Mal, dass Juden so öffentlich angefeindet wurden.

 

Der nächste Stopp war die Nacht vom 9. November auf den 10. November 1938.  Damals wurden die Geschäfte von Juden verwüstet, geplündert und teilweise auch angesteckt. Juden wurden in dieser Nacht misshandelt und getötet. Es kam ihnen keine Polizei oder Feuerwehr zu Hilfe und sie blieben auf ihren Schäden sitzen. Um die zweite Phase, die wirtschaftliche Ruinierung darzustellen, posierten drei Mitschüler für ein Standbild, auf dem ein Jude auf dem Boden seines verwüsteten Geschäfts liegt, während zwei Nationalsozialisten auf ihn eindreschen.

 

Weiter ging die Reise durch das Jahr 1939 und den Beginn des Zweiten Weltkrieges. Auf dem Schulflur waren auf dem Fußboden Schlagwörter zum Thema Krieg notiert worden, diese sollten den Schülern das Leid des Krieges verdeutlichen. Die fünfte Station war die Wannsee-Konferenz im Jahr 1942. Dort saßen drei Schüler an einem Tisch, einer tippte auf einer alten Schreibmaschine, die anderen beiden schienen sich über etwas zu einigen und anschließend einen Vertrag zu unterschreiben. Dieses stumme Schauspiel sollte die Einigung über die sogenannte „Endlösung der Judenfrage“ darstellen. Damals saßen fünfzehn hohe Abgeordnete in einer Villa am Wannsee zusammen und planten wie man möglichst viele Juden in möglichst geringer Zeit vernichten kann. Die Einigung dieser Politiker war der Freifahrtschein für die Nationalsozialisten ihre rassistischen und menschenverachtenden Ideen umzusetzen und damit gleichzeitig der Beginn von Phase drei, die systematische Vernichtung.

 

Auf dem Weg zu Station sechs ging es eine Treppe hinauf zum „Bahnhof Auschwitz“.  Auf einem langen Gang waren Bahngleise, veranschaulicht durch Klebeband auf den Boden dargestellt. An den Wänden waren die Bezeichnungen der Randgruppen angebracht, die nicht in das nationalsozialistische System passten und in Konzentrationslagern wie z.B. Auschwitz vernichtet worden waren. Auch wurde den Schülerinnen und Schülern auf dem Weg über die Bahngleise davon berichtet, unter welch unmenschlichen Umständen die Menschen zu den Konzentrations- und Vernichtungslagern transportiert wurden.

 

Angekommen an der nächsten Station, die sich hinter einer schwarzen Plane am Ende des Ganges befand und das Ende (schwarzes Loch) symbolisieren sollte, wurden die Schüler darüber informiert, dass sie im Konzentrationslager Auschwitz angekommen seien. Vor der Tür zum Klassenraum, auf der ein Schild mit der Beschriftung „Duschen“ hing, lagen Kleidungstücke wie Schuhe und Mäntel sowie auch Kinderspielzeug in den Ecken. Nun wurden die Schüler in zwei Gruppen aufgeteilt, arbeitsfähig und nicht arbeitsfähig. Nach dem das getan war, betraten wir das abgedunkelte Klassenzimmer. Die Gruppe der nicht Arbeitsfähigen sollte sich in ein am Boden markiertes Viereck stellen, während der Rest sich an die Fensterbänke stellte. Daraufhin wurde ein Filmausschnitt von einem Beamer an die Wand projiziert, dieser zeigte, wie mit den Häftlingen in Konzentrationslagern umgegangen worden ist. Der Film veranschaulichte auch, wie ihnen erzählt wurde, dass sie sich duschen müssten, wie sie sich daraufhin auszogen und am Ende grausam vergast wurden.

 

Stillschweigend reisten wir dann mit den Schülerinnen und Schülern zurück in die Gegenwart, beziehungsweise zur letzten Station im Französischraum. Dort warteten zwei Mitschüler von uns, welche zuvor eine Umfrage in Dorum zu den Novemberpogromen durchgeführt hatten. Sie berichteten von ihrem Ergebnis, dass viele junge Leute heute gar keine Ahnung davon hätten, was die Novemberpogrome eigentlich seien und dass unsere Intention hinter diesem Projekt es ist, dies zu ändern.

 

Schlussfolgernd kann man sagen, dass unser Projekt großen Anklang gefunden hat und das nicht nur bei den Lehrern, sondern auch bei vielen Schülerinnen und Schülern. Im Namen der Gy10 und der Gy8 möchte ich mich für das Lob und vor allem für die Wertschätzung unserer Bemühungen sowie für das zahlreiche Teilnehmen bedanken.

 

Emelie Heyroth, Gy10